Wasserauto erkennen: 5 Anzeichen für Flut-/Wasserschaden
Gebrauchtwagenkauf in Deutschland wirkt oft „sicherer“: gepflegte Fahrzeuge, Serviceeinträge, seriöse Verkäufer. In der Praxis lassen sich jedoch mit guter Aufbereitung und hübschen Fotos viele Dinge kaschieren. Und „kleiner Unfall“ kann alles bedeuten – vom Stoßfänger bis zu ernsthaften Karosseriearbeiten.
Genau deshalb ist die Lackdickenmessung ein schneller und sehr informativer erster Schritt. Sie ist kein Urteil, aber sie hilft, die Historie einzelner Bauteile einzuordnen: Werk, Nachlackierung, möglicher Spachtel.
Was du aus diesem Artikel mitnimmst
- ✔️ wie du mit Lackdickenmesser korrekt misst, ohne falsche Schlüsse zu ziehen;
- ✔️ wie du Werte liest (was ist plausibel – was ein Warnsignal?);
- ✔️ warum es keine „eine Werkszahl“ gibt und wie Marken-Richtwerte sinnvoll genutzt werden;
- ✔️ welche Reparaturhinweise das Messgerät nicht zeigt – und was du parallel prüfen musst.
Was misst ein Lackdickenmesser wirklich – und warum ist das wichtig?
Die meisten Geräte für den Fahrzeugcheck messen die Gesamtdicke des Lackaufbaus auf Metallteilen – also Grundierung/Basislack/Klarlack plus alles, was später dazugekommen ist (Nachlackierung, zusätzliche Schichten, lokale Reparaturen).
Wichtig: Das Gerät zeigt nicht „welche Schicht“ dick ist – es zeigt den gesamten „Kuchen“. Hohe Werte sind deshalb ein Signal, genauer hinzuschauen – nicht automatisch ein Grund zur Panik und auch kein Grund zur Entwarnung.
Außerdem: Klassische magnetische/Wirbelstrom-Geräte liefern gute Werte auf Stahl bzw. Aluminium, aber in der Regel nicht auf Kunststoff (Stoßfänger, Zierleisten, Anbauteile). Bei Kunststoff bekommst du mit Standardgeräten keine zuverlässige Aussage – dafür bräuchte man andere Technik (z. B. Ultraschall), die eigene Grenzen hat.
Kurz gesagt: Der Lackdickenmesser ist ein sehr starker Indikator – aber keine forensische Prüfung. Seine Stärke liegt im Vergleich von Bauteilen und dem Finden von Auffälligkeiten, nicht in einer „magischen Zahl“.
Warum „Werkslack“ keine einzelne Zahl ist – und welche Bereiche als grobe Orientierung gelten
Werkslackierung ist heute sehr konstant (Roboter, definierte Prozesse, Qualitätskontrolle). Trotzdem gibt es Toleranzen: unterschiedliche Bauteilgeometrie, horizontale/vertikale Flächen, Kanten, Sicken und Übergänge beeinflussen die Messwerte.
In der Praxis wird oft ein grober Korridor genutzt: ca. 80–160 µm als erweiterte Orientierung für „Werk“ (mit Abhängigkeit von Modell, Baujahr, Werk und Bauteil). Auf manchen vertikalen Flächen können Werte auch etwas niedriger ausfallen.
Bei Werkstatt-Nachlackierung kommen häufig mehr Arbeitsgänge und Materialschichten hinzu. Daher liegen Werte oft höher, z. B. ca. 120–250 µm. Bei zusätzlichem Aufbau (z. B. Ausgleich/Spachtel) kann die Lackdicke deutlich steigen – nicht selten über 300 µm.
Die richtige Logik statt „einer Zahl“
- Such das Muster am Fahrzeug: Gleichmäßigkeit je Bauteil, Symmetrie links/rechts, Plausibilität zu Nachbarteilen.
- Nutze „Referenzflächen“ (z. B. Dach) als Vergleichsbasis.
- Achte nicht nur auf den Durchschnitt, sondern auf Sprünge und Flecken innerhalb eines Bauteils.
Richtiges Messprotokoll: so misst du, damit die Zahlen wirklich etwas bedeuten
Fehler bei der Messung führen fast immer zu zwei Problemen: (1) du übersiehst Reparaturen, weil du „falsch“ misst; (2) du verdächtigst das Auto, obwohl es Werksstreuung oder Messfehler ist. Mit einem einfachen System bekommst du belastbare Ergebnisse.
Arbeite wie mit einer „Karosserie-Karte“:
☝ Schritt 1: Messpunkte vorbereiten
Die Fläche sollte halbwegs sauber und trocken sein. Dicke Schmutz-/Salzschichten (Winter!) verfälschen Werte. Ein kurzes Abwischen mit Mikrofasertuch erhöht die Qualität deutlich.
☝ Schritt 2: Mit einer Referenz starten
Praktischer Tipp: Beginne mit dem Dach. Es ist statistisch seltener betroffen und eignet sich als Basislinie für das konkrete Fahrzeug. Danach vergleichst du Haube/Kotflügel/Türen usw.
☝ Schritt 3: Mehrere Messpunkte statt einer Zahl
Eine Messung auf der Tür sagt wenig. Mach 5–10 Punkte pro Bauteil: Mitte, näher an Kanten, oben/unten. Entscheidend ist die Homogenität. Reparaturen verraten sich oft durch „Flecken“ und Sprünge.
☝ Schritt 4: Symmetrie vergleichen
Links vs. rechts ist Gold: linker Kotflügel vs. rechter Kotflügel, linke Tür vs. rechte Tür. Werk ist meistens im „Maßstab“ ähnlich, lokale Reparaturen sind häufig asymmetrisch.
☝ Schritt 5: Werte dokumentieren
Notiere Ergebnisse (Handy-Notizen reichen): Bauteil → Bereich → Auffälligkeit. Das macht deine Argumentation beim Gespräch mit dem Verkäufer und beim Verhandeln deutlich stärker.
Mini-Checkliste für den Vor-Ort-Termin
- 📌 Lackdickenmesser (für Stahl/Alu), Ersatzbatterien;
- 📌 Taschenlampe / gutes Licht;
- 📌 Mikrofasertuch (Messpunkte kurz reinigen);
- 📌 Smartphone (Notizen + Fotos);
- 📌 wenn möglich: OBD-Scan (besser: professionelle Diagnose).
Werte interpretieren: schnelle Richtwerte ohne Selbsttäuschung
Im Netz kursieren „harte Regeln“ wie: „bis 180 µm Werk, darüber Unfall“. So einfach ist es nicht. Geräte, Material, Bauteilgeometrie und Marke verursachen Streuung. Trotzdem gibt es brauchbare Orientierungen:
- ❗ Werk liegt häufig grob im Korridor 80–150/160 µm (modell-/bauteilabhängig).
- ❗ ca. 200+ µm spricht oft für Nachlackierung/Mehrschichtaufbau – dann Qualität und Indizien prüfen.
- ❗ 300+ µm ist häufiger bei „schwererem“ Aufbau (z. B. Ausgleich/Spachtel) – dann Spaltmaße, Befestigungen und Geometrie besonders kritisch prüfen.
Wichtig: Lackdicke allein heißt nicht „gut/schlecht“. Eine saubere kosmetische Nachlackierung kann harmlos sein. Eine „schön gemachte“ Reparatur kann aber Schäden kaschieren. Daher: Zahlen immer mit Sichtprüfung und Historie kombinieren.
Typische Szenarien: ruhig und logisch einordnen
| Szenario | Wie es am Messgerät oft aussieht | Was zusätzlich prüfen? |
|---|---|---|
| Nachlackierung ohne Unfall (Kratzer/Steinschlag) | Moderater, relativ gleichmäßiger Anstieg am Bauteil | Kanten/Übergänge, Farbton/Orange-Peel, Belege/Rechnung |
| Reparatur nach Treffer (teilweise) | Sprünge zwischen Messpunkten, Asymmetrie links/rechts, „Flecken“ | Spaltmaße, Schrauben/Befestigungen, Träger/Strukturteile, Scheinwerferhalter |
| Verdeckter Spachtel | Sehr hohe Werte, oft 300+ und deutliche „Stufen“ | Spuren von Richt-/Schweißarbeiten, Geometrie, Rost unter Reparatur, Unfallhistorie |
„Werksbereiche nach Marken“: ehrliche Tabelle & wie man sie korrekt nutzt
Vorweg ehrlich: Hersteller veröffentlichen selten eine „offizielle Lackdicken-Norm“ für Käufer. Werte hängen von Modell, Werk, Baujahr, Lackaufbau und Bauteil ab. Jede Marken-Tabelle ist daher meist Empirie – hilfreich als Orientierung, aber kein Beweis.
Richtig angewendet ist so eine Tabelle trotzdem nützlich, um die Größenordnung zu verstehen.
| Marke/Gruppe | Typische Bereiche, die man oft sieht (µm) | So nutzt du es beim Kauf |
|---|---|---|
| Audi | häufig ~110–150 (modellabhängig) | Wenn ein Kotflügel 220–300 zeigt und die Gegenseite „normal“ ist: gezielt Nachlackierung/Reparatur prüfen. |
| BMW | teils breiter: grob ~70–160 (je nach Modell/Werk) | „Fahrzeug-Karte“ messen: Dach als Referenz + links/rechts vergleichen + Sprünge am Bauteil beachten. |
| Volkswagen | oft grob ~70–150 | Streuung ist normal, aber 2×-Abweichung innerhalb eines Elements ist selten „Werk“. |
| Allgemein | häufig genannt: 80–130/140 oder 90–120 | Gut für die Größenordnung — ersetzt aber nicht den Vergleich innerhalb des Fahrzeugs. |
Praxisregel: Such nicht die „perfekte Zahl“. Such Auffälligkeiten: „Bauteil doppelt so dick wie Nachbarteile“, „Fleck in der Mitte der Tür“, „starke Abweichung zur Gegenseite“.
Wo der Lackdickenmesser besonders hilft – und wo er irreführen kann
Meist sehr hilfreich
- 📌 Türen, Kotflügel, Haube, Heckklappe – Bauteile, die häufig getroffen und lokal repariert werden.
- 📌 A-/B-/C-Säulen und strukturrelevante Bereiche: Hohe Werte sind hier kritischer, weil sie auf stärkere Eingriffe hinweisen können.
Kann missverständlich sein
- 👓 Kunststoffteile (Stoßfänger): Standardgeräte liefern keine verlässlichen Werte.
- 👓 Bereiche mit Schutzbeschichtungen/Steinschlagschutz ab Werk.
- 👓 Kanten/Sicken: Geometrie kann Messwerte beeinflussen.
Reparaturspuren: was du neben den Zahlen unbedingt prüfen solltest
Damit der Lackdickenmesser kein „Orakel“ wird, kombiniere ihn mit Sichtprüfung und Logik:
- 🔎 Overspray an Dichtungen/Kunststoff, in Türfalzen, Kanten, Kofferraumfalzen.
- 🔎 Struktur/„Orange-Peel“ und Farbton: selbst gute Nachlackierung kann sich in Reflexion unterscheiden.
- 🔎 Schrauben/Befestigungen: Spuren vom Lösen, beschädigte Kanten, fehlende Markierungen.
- 🔎 Spaltmaße: ungleichmäßige Fugen, Versatz von Türen/Haube/Heckklappe.
- 🔎 Gläser & Scheinwerfer: Herstellungsjahr/Markierung, Halter, Befestigungen (im Kontext bewerten).
- 🔎 SRS/Airbag-Hinweise: manchmal ist der Lack „perfekt“, aber Elektronik/Fehlerhistorie verrät mehr.
Warum „Lack + Diagnose“ die Prüfung stärker macht
Wenn Lackwerte auffällig sind (besonders Front/Säulen/Struktur), lohnt sich zusätzlich eine OBD-Diagnose: SRS-Fehler, Kommunikationsstörungen, gespeicherte Ereignisse oder Reset-Hinweise können das Gesamtbild schärfen.
Wann du besser einen Experten dazu holst
Gerade in Berlin und allgemein in Deutschland gehen gute Fahrzeuge schnell weg. Nicht immer hat man Zeit für eine „perfekte“ Eigenprüfung. Ein Experte lohnt sich besonders, wenn:
- 🔥 die Lackwerte uneinheitlich sind und du nicht sicher bist, was dahinter steckt;
- 🔥 der Verkäufer ausweicht („weiß nicht“, „war schon so“) trotz klarer Auffälligkeiten;
- 🔥 das Fahrzeug teuer/komplex ist (Premium, Hybrid/EV, Assistenzsysteme) und ein Fehler richtig Geld kostet;
- 🔥 du aus der Ferne kaufst und einen dokumentierten Report (Foto/Video) brauchst.
Eine professionelle Prüfung kombiniert Lackmessung, Sichtprüfung, Probefahrt, Diagnose und Dokumentencheck. Genau diese Kombination schützt Käufer am besten.
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FAQ — häufige Fragen zur Lackdickenmessung
Gibt es eine „perfekte“ Werkszahl für die Lackdicke?
Nein. Es gibt Toleranzen, Bauteile unterscheiden sich geometrisch, und Werk/Baujahr/Lackaufbau beeinflussen die Werte. Entscheidend ist der Vergleich am Fahrzeug: Dach als Referenz + Symmetrie links/rechts + Homogenität je Bauteil.
Sind 200+ µm ein Stoppsignal?
Es ist ein Anlass zur Prüfung. Oft ist es Nachlackierung/Mehrschichtaufbau — die Qualität kann jedoch gut oder schlecht sein. Prüfe Kanten/Übergänge, Struktur/Farbton, Befestigungen, Spaltmaße und wenn möglich Belege. Bei teuren Fahrzeugen: lieber Expertencheck.
Warum „sieht“ ein Lackdickenmesser nicht alles?
Er misst die Gesamtdicke des Lackaufbaus auf Metall, aber nicht Karosseriegeometrie, Richtqualität, Rost unter Reparatur. Auf Kunststoff funktioniert ein Standardgerät meist nicht zuverlässig. Deshalb immer mit Sichtprüfung und Historie kombinieren.
Hat Lackmessung etwas mit „Wasserautos“ zu tun?
Indirekt ja: Ein Wasserauto wird oft kosmetisch „schön gemacht“. Aber die Kernhinweise sind Innenraum/Elektrik/Korrosion an Steckern und Diagnose der Steuergeräte. Dafür ist eine separate Prüfung sinnvoll.
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