Blog / Auto · Artikel Nr. 37 · Veröffentlichungsdatum: 19.11.2025 · Deutschland

5 Anzeichen für einen Flutschaden – so vermeiden Sie den Kauf eines überfluteten Autos

Wie Sie Flutschäden schon auf dem Parkplatz erkennen und keine teure Überraschung nach dem Kauf erleben.

Fahrzeugcheck Karosserie & Korrosion Deutschland
Gebrauchtwagenprüfung auf Flutschaden
Ein paar Minuten genauer Blick – und Flutschäden lassen sich rechtzeitig erkennen.

Der Albtraum beim Gebrauchtwagenkauf ist ein Flutschaden. Nach Überschwemmungen landen solche Fahrzeuge oft als scheinbar „normale“ Gebrauchte auf dem Markt – gerade im Export. Optisch können sie gut aussehen, doch die versteckten Folgen bleiben.

Eine gründliche Vor-Ort-Prüfung in Deutschland ist Pflicht – gute Straßen und strenge HU (TÜV) kaschieren manches. Ein VIN-Bericht (siehe unser Beitrag „VIN-Bericht lesen“) zeigt gelegentlich Hinweise auf Wasserschäden, oft entscheidet aber der Blick vor Ort. Hier sind fünf Anzeichen, die Sie ohne Hebebühne prüfen können.

1. Modergeruch & Schimmel im Innenraum

Der deutlichste Hinweis ist muffiger, feuchter Geruch. Textilien saugen Wasser auf; selbst Aufbereitung überdeckt nur kurzfristig. Achten Sie auf überstarke Duftbäume – häufig ein Versuch, Schimmelgeruch zu maskieren.

  • Duftbäume prüfen: Ungewöhnlich starker Geruch = Warnsignal.
  • Schimmel suchen: grünlicher Belag in Ecken, unter Teppichen/Verkleidungen, im Kofferraum.
  • Teppiche anheben: Wasserränder, Restfeuchte, rostige Sitzschrauben = sehr verdächtig.

2. Rost/Korrosion an versteckten Stellen

Außen kann der Lack glänzen – Rost verrät sich innen. Prüfen Sie Nähte und Falze: Schweller, Radläufe, Reserveradmulde, unter Verkleidungen. Suchen Sie rostige Schweißnähte, „Bläschen“, bröseligen Lack. Auch Befestigungsschrauben (Sitze, Tür-/Haubenscharniere, Armaturenbrett) geben Hinweise. Ziehen Sie die Gurte ganz heraus: Metallteile am Gurt zeigen bei Flutschaden oft Rost. Salzränder (weiße Kristalle) auf Teppich/Metall deuten auf eingetrocknetes Schmutz- oder Salzwasser hin.

  • Falze/Schweißnähte: Schweller, Radläufe, Kofferraumboden.
  • Befestiger: Sitzschrauben, Scharniere – in intakten Autos meist nur staubig.
  • Gurte: ganz herausziehen und prüfen.
  • Salzränder: typische Spuren eingetrockneter Flutbrühe.

3. Probleme mit Elektrik/Elektronik

Elektrik leidet besonders. Sichten Sie Sicherungskästen/Stecker auf Grünspan; verdunkelte oder grün-blau belegte Kontakte = Wasser war da. Harter oder rissiger Kabelmantel deutet auf gealterte Isolation. Testen Sie Verbraucher (Heckscheibenheizung, Klima, Leuchten). Unter Teppichen liegen oft Steckverbindungen – dort steht Wasser am längsten.

  • Grünspan/Patina: klare Wasser-Indizien.
  • Elektronik-Gags: flackernde Anzeigen, sporadische Fehler = Spätfolgen denkbar.
  • Versteckte Steuergeräte: Airbags/ABS/Untermatten prüfen.

4. Feuchtigkeit in Scheinwerfern/Aggregaten

Beschlag, Tropfen und Schlieren in Scheinwerfern/Rückleuchten weisen auf undichte Gehäuse nach Wassereintritt. „Zu neue“ Scheinwerfer bei sonst patiniertem Fahrzeug? Baujahr auf dem Gehäuse vergleichen. Luftfilterkasten kontrollieren – deformierter/verschlammter Filter ist sehr verdächtig. Öl prüfen: weiße Emulsion („Mayonnaise“) an Peilstab/Ölverschluss = Wasser im Öl (sofort Finger weg).

  • Dauerbeschlag in Leuchten: Hinweis auf anhaltende Feuchte.
  • Neue Leuchten? Baujahr/Prägung checken.
  • Luftfilter & Öl: Schlamm/Emulsion = Deal abbrechen.

5. Verdächtig neue Teile & Demontagespuren

Frischer Teppich, neu bezogene Sitze, neue Leuchten – häufig Kosmetik nach Flut. Achten Sie auf abgeschabte Schraubenköpfe, fehlende Fabrikmarkierungen, neue Gurte ohne Etiketten, ungewöhnlich sauberen Motorraum bei altem Auto.

  • Innenraum: neue Matten/Bezüge können Wasserschäden verdecken.
  • Schrauben/Scharniere: Werkzeugspuren, nachlackierte Bereiche.
  • Motorraum: „Showroom-clean“ bei älterem Auto = misstrauisch werden.

Flutschaden ohne Hebebühne erkennen

Mit Taschenlampe/Handschuhen viel möglich: unter Kofferraumboden, unter Sitzen, in Fächern schauen. Unterkanten von Schwellern/Blechen am Boden liegend prüfen. Suchen Sie Sand/Schlamm/Blätter an untypischen Stellen. Machen Sie zusätzlich einen VIN-Bericht und nach Möglichkeit eine OBD-Auslese.

Wichtig: Finden Sie 2–3 der genannten Symptome, besser nicht kaufen – Elektrik- und Rostfolgen fressen den vermeintlichen Preisvorteil auf.

Wann Experten hinzuziehen?

Bei kleinsten Zweifeln lohnt die unabhängige Vor-Ort-Prüfung – insbesondere nach Hochwassern, wenn viele Flutschaden-Fahrzeuge im Umlauf sind.

Unser Team von Sicher-Check kommt zur Vor-Ort-Diagnose, misst Lackdicke, prüft Karosserie/Innenraum, vergleicht VIN-Historie und liest OBD-Fehler aus.

Preise/Optionen finden Sie auf der Seite Preise. So vermeiden Sie teure Fehlkäufe.

Zusätzlicher Risikofilter: VIN-Bericht (CarVertical / CARFAX)

Viele Flutschäden tauchen in Versicherungs-/Auktionsdaten auf. Kombinieren Sie den Vor-Ort-Check mit einem VIN-Bericht. Für Leser gilt der Gutschein sichercheckde (−20% bei CarVertical).

Wie man den Bericht interpretiert, erklären wir in „VIN-Bericht in Deutschland lesen“.

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FAQ — häufige Fragen zu Flutschäden

Lässt sich ein Flutschaden zuverlässig „retten“?

Theoretisch ja, praktisch sehr teuer: Steuergeräte, Kabel, Steckverbinder, Hohlraumkonservierung, Innenraum zerlegen. Meist bleibt Restrisiko.

„Reiner“ VIN-Bericht = kein Flutschaden?

Nicht zwingend. Berichtet werden nur erfasste Ereignisse. Darum bleibt die Sichtprüfung nach unseren 5 Punkten Pflicht.

Worauf als Erstes achten?

Kombination aus Moder/Schimmel + Rost/Spuren an versteckten Schrauben/Gurten – schnellster Marker schon auf dem Parkplatz.

Haftungsausschluss: Die Inhalte dienen allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine professionelle Diagnose. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der Informationen. Die Nutzung erfolgt auf eigenes Risiko.

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